Niederschlagswasser-Bewirtschaftung
Massnahmen zur Niederschlagswasserminderung im öffentlichen Kanal
Gesetze und Vorgaben
Gemäß dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) sowie dem Hessischen Wassergesetz (HWG) ist Niederschlagswasser möglichst ortsnah zu bewirtschaften. Das auf dem Grundstück anfallende Niederschlagswasser soll verdunstet, versickert oder genutzt werden, anstatt es in die Kanalisation einzuleiten.
Diese Vorgabe gilt für Neubauten und ist auch für Bestandsgebäude zu prüfen. Daher sollte bei jedem Bauvorhaben geprüft werden, ob eine dieser Maßnahmen – oder eine Kombination daraus – umsetzbar ist.
Gemeinsam Handeln
Auf dieser Grundlage entsteht ein individuelles Konzept zur Niederschlagswasserbewirtschaftung, das an die örtlichen Gegebenheiten und die technischen Möglichkeiten angepasst wird. Gemeinsames Handeln - auf öffentlichen und privaten Flächen - trägt zu einem angenehmeren Stadtklima, saubereren Gewässern, weniger Überflutungen und einem widerstandsfähigen Stadtgrün bei.
Die Maßnahmen fördern die Biodiversität und die natürliche Grundwasserneubildung – ein aktiver Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz sowie zur nachhaltigen Flächennutzung. Die dezentrale Bewirtschaftung entlastet die öffentliche Kanalisation insbesondere bei Starkregenereignissen.
Grundstückseigentümer*innen profitieren finanziell, wenn durch die verschiedenen Maßnahmen eine Minderung des Niederschlagswassers im öffentlichen Kanal erzielt wird. Eine geringere Einleitung bedeutet eine geringere Niederschlagswassergebühr.
Dachbegrünung
Bei der Dachbegrünung wird das Dach mit einer speziellen Substratschicht und Pflanzen bedeckt. Man unterscheidet drei Varianten:
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Extensive Begrünung:
Dünne Substratschicht, leicht, pflegearm, ideal für flache oder leicht geneigte Dächer. -
Intensive Begrünung:
Dickere Substratschicht, größere Pflanzen, ähnelt einem Dachgarten, benötigt mehr Pflege und eine tragfähige Dachkonstruktion. -
Retentionsgründach:
Speichert Regenwasser gezielt und gibt es verzögert an die Kanalisation ab – besonders wirksam bei Starkregen.
Gründächer bieten zahlreiche Vorteile: Sie speichern Niederschlagswasser, verbessern das Mikroklima, fördern die Biodiversität, mindern Lärmeinwirkungen und filtern Schadstoffe aus der Luft. Die zulässige Dachneigung ist abhängig vom jeweiligen Systemaufbau und den Herstellervorgaben bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen. Zudem lässt sich eine Dachbegrünung häufig mit Photovoltaikanlagen kombinieren, wodurch sich die Effizienz der Solarmodule durch den kühlenden Effekt der Begrünung erhöhen kann.
Um eine Versickerung von Niederschlagswasser aus Dachbegrünungen zu gewährleisten, sind bei der Herstellung ausschließlich schadstofffreie Werkstoffe zu verwenden.

Dachbegrünung
Bildquelle: Johannes Cox, HKK Landschaftsarchitektur GmbH

Intensive Dachbegrünung
Bildquelle: Johannes Cox, HKK Landschaftsarchitektur GmbH

Extensive Dachbegrünung mit PV-Anlage
Bildquelle: sonara EG
Extensive Dachbegrünung mit PV-Anlage frisch angesäht
Bildquelle: sonara EG
Extensive Dachbegrünung mit PV-Anlage frisch bewachsen
Flächenversickerung
Bei der Flächenversickerung kann Niederschlagswasser von befestigten Flächen in angrenzende Grünflächen geleitet werden, wo es über den Untergrund versickern kann. Voraussetzung hierfür ist ein ausreichend durchlässiger Boden.
Zudem können die Oberflächen wasserdurchlässig ausgeführt sein, beispielsweise durch Pflaster mit offenen Fugen oder Rasengittersteine, damit das Niederschlagswasser versickern kann. Diese Versickerungsform eignet sich besonders für Wege, Terrassen, Höfe und Stellplätze.
Versickerungsmulde
Eine Versickerungsmulde ist eine flache Vertiefung im Boden, die Niederschlagswasser sammelt und langsam versickern und verdunsten lässt. Sie ist meist bepflanzt und wirkt als natürlicher Filter. Diese Methode ist einfach, umweltfreundlich und fördert die Grundwasserneubildung.
Multifunktionale Flächen
Versickerungsmulden können auch als multifunktionale Freiflächen gestaltet werden. Bei Starkregen dienen sie als temporäre Retentionsräume und tragen so zur Überflutungsvorsorge bei. Oberflächenwasser wird gezielt in schadlos überflutbare Flächen wie Verkehrs- oder Grünflächen geleitet, um Abflussspitzen zwischen zu speichern.
Anschließend kann das Niederschlagswasser entweder langsam versickern, verdunsten oder abgeleitet werden. Die ursprüngliche Nutzung der Flächen bleibt erhalten und wird lediglich um die Funktion der Niederschlagswasserrückhaltung ergänzt. Eine multifunktionale Flächennutzung bietet sich insbesondere bei größeren Grundstücken an.
Rigolenversickerung mit Kunststoffhohlkörpern
Kunststoff-Hohlkörper sind unterirdische Behälter, die Regenwasser speichern und langsam abgeben. Sie benötigen wenig Platz und eignen sich für kleine Grundstücke. Für einen sicheren Betrieb sind regelmäßige Wartungen erforderlich. Zudem kann eine Vorbehandlung des Niederschlagswassers, etwa durch einen Absetzschacht oder eine Bodenpassage, notwendig sein.
Mulden-Rigolen-Versickerung
Bei dieser Art von Versickerung wird das Niederschlagswasser zunächst in einer bepflanzten Mulde gesammelt. Ein Teil verdunstet, der Rest versickert in eine darunterliegende Rigole – einen Kunststoffhohlkörper oder einen mit Kies ummantelten unterirdischen Speicherraum. Von dort versickert das Wasser langsam in den Boden.
Die Mulde filtert Schadstoffe, ein Vlies schützt die Rigole vor Verunreinigung.
Beckenversickerung
Bei der Beckenversickerung wird Niederschlagswasser in ein flaches Becken oder einen Teich geleitet. Der Boden ist abgedichtet, das Wasser versickert über die bepflanzten Ränder. Diese Methode eignet sich für große Flächen wie Parks oder Straßenränder und kann in Wohngebieten als Naturteich gestaltet werden. Gegebenenfalls muss eine Sicherung durch einen Zaun geprüft werden.
Sickerschächte
Sickerschächte mit durchlässigen Sohlen ermöglichen dem anfallenden Wasser tief im Untergrund zu versickern. Durch das tiefe, punktförmige Einbinden ist der Abstand zum Grundwasser meist sehr gering und das Schadstoffeintragspotential ins Grundwasser sehr hoch. Schächte werden daher nur in Ausnahmefällen erlaubt.
Niederschlagswassernutzung
Niederschlagswasser kann im Haushalt genutzt werden, beispielsweise für die Toilettenspülung, die Bewässerung von Garten- und Fassadenbegrünungen sowie das Wäschewaschen. Es wird über Dachflächen gesammelt, in einer Zisterne gespeichert und bei Bedarf aufbereitet sowie ins Haus gepumpt.
Das Wasser hat keine Trinkwasserqualität, ist aber für viele Zwecke ausreichend. So lassen sich jährlich erhebliche Mengen Trinkwasser einsparen. Das schont Umwelt und Geldbeutel.
Wichtig: Niederschlagswasserleitungen müssen strikt von Trinkwasserleitungen getrennt sein. Dafür ist ein separates Leitungssystem erforderlich. In der Zisterne sollte zudem eine Trinkwassernachspeisung möglich sein, falls das Niederschlagswasser aufgebraucht ist. Der Einbau sollte stets durch Fachfirmen erfolgen. Das gesammelte Wasser kann außerdem zur Bewässerung von begrünten Dächern und Fassaden genutzt werden.
Ableitung ins Gewässer
Unter bestimmten Voraussetzungen kann Niederschlagswasser in öffentliche Gewässer abgeleitet werden. Die Voraussetzung ist, dass die Liegenschaft an einem öffentlichen Gewässer liegt und die zuständige Wasserbehörde die Ableitung genehmigt.
Für alle Versickerungsanlagen gilt:
Eine gezielte Versickerung über eine Versickerungsanlage stellt eine Grundwasserbenutzung nach § 8 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) dar.
Dafür ist eine wasserrechtliche Erlaubnis bei der zuständigen Wasserbehörde einzuholen. Die Versickerungsanlagen müssen nach anerkanntem Stand und Regeln der Technik geplant, errichtet und betrieben werden.
Ausgenommen hiervon sind Flächenversickerungen. Der Boden muss versickerungsfähig sein, der Abstand zum Grundwasser und zu Gebäuden muss eingehalten werden. Altlasten im Boden sind auszuschließen.
Weitere Informationen und Unterlagen:
Beratung und Kontakt
Zu allen Fragen rund um die Niederschlagswasserbewirtschaftung auf Ihrem Grundstück beraten wir Sie gerne persönlich. Konkrete Anträge können Sie im Vorfeld mit uns abstimmen.
→ Damit kann die spätere Genehmigung schneller und reibungsloser erfolgen.
Senden Sie uns einfach Ihre Anfrage mit dem Betreff "Niederschlagswasserbewirtschaftung" über unser Kontaktformular zu.
Förderung
Weniger versiegelte Fläche auf Ihrem Grundstück bedeutet auch geringere Niederschlagswassergebühren – ein zusätzlicher Anreiz für Eigentümer*innen. Sie können die Förderung ganz einfach online beantragen.
Die Stadt Frankfurt am Main unterstützt verschiedene Maßnahmen zur Niederschlagswasserminderung im öffentlichen Kanal mit dem Klimabonus-Förderprogramm.
Gefördert werden unter Anderem:
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Dachbegrünung
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Fassadenbegrünung
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Regenrückhaltungen
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Zisternen











